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Montag, 27. Juli 2009

Operation am kalten Herzen

Zu: Thoams Glavinic, Das Leben derr Wünsche


Lange Zeit dachte ich, das geht schief, da hat einer zu viel Freud gelesen, da konstruiert er noch den nightmare als Wunscherfüllung, da verrennt er sich, der Glavinic, so wie sein Protagonist. Lesbar dennoch, ich folgte den Wirbeln. Fand einen sehr männlichen Erzählstil, eine männliche Perspektive, technisch noch bis in die Konkretion (Heizung nachfüllen, Autos, Schnellboot), Emotionen gegenüber konsequent hilflos rätselnd. Ausgeliefert einem Leben in minimaler Selbsterkenntnis.

Also muss sie von „Außen“ kommen, die Selbsterkenntnis, aus dem Wirken des mysteriösen Wunscherfüllers, der Jonas’ inneres Wunschgeflecht, diesem unbekannt, in die Welt zerrt und entwirrt, dafür diesen aber nicht weniger verwirrt.. Oder doch alles nur Zufall, wer kann das wissen? Der Protagonist jedenfalls nicht – und der Autor mag ihm nicht zu Hilfe kommen. Denn er, der Autor, hat ja Jonas hingestellt, und ist selbst der experimentierende Alchemist mit den Wünschen. Welche Wünsche kann einer haben, der ein ganz normales, eher doch langweiliges Leben führt, unperfekt, aber nicht wirklich unzufrieden? Und so katapultiert in einer Art doppeltem Spiegelverhältnis der Autor aus seiner Figur heraus, was mit ihr geschähe, wenn…

Seltsam leblos wirkt das oft, nicht nur an den geisterhaften Stellen lückenfüllenden Surrealismus’mit Untoten, auch sonst. Das Leben der Wünsche ist gar kein Leben, das Leben besteht auch aus Widerstand und Veränderung (der Wünsche selbst) und Konfrontation mit Unerwünschtem – und wahrscheinlich, das Buch legt das nahe: Aus Verzicht, um der Menschen willen, die konsequente Wunscherfüllung eines Einzelnen kommt ohne eine Anhäufung von Leid bei anderen nicht aus. Passend dazu erscheint die Vorstellung Jonas’, dass vielleicht die anderen gar nicht wirklich leben, denn ihr Schmerz hat keinen Sinn. Ihr Schmerz hat keinen Sinn, stört ihn aber auch nicht. Auch das eine konsequente, prototypische männliche Perspektive – diese Wünsche sind fürsorge- und empathiefrei. Die Kinder versorgt wissen wollen, aber nicht versorgen wollen, die Geliebte haben wollen, aber deren Bedürfnisse in keiner Sekunde erkennen wollen.

Und so funktioniert die Konstruktion dann doch: Das Leben als radikale Wunscherfüllung eines, der nie nahe kommt den anderen – da hat die Geliebte am Ende eben die Bedürfnisse, die er auch hat und da sind die Kinder beschwerdefrei gut versorgt. Da fallen Späne zwischendrin, wo gehobelt wird. Und da ist auch das Ende nur konsequent: wunschlos glücklich er, die anderen nicht wichtig, muss der Vorhang fallen. Im Film: der Abspann.

Und das ist dann doch alles Ideologie, Ideologie des Verzichts, klassischster Freud, der warnte, dass die Triebe, dürften sie alles, zerstörerisch wären wie sonst was, asozial eben. Und auch Glavinic schafft keine utopia reale, in der auch nur irgendein gemeinschaftliches Leben als glücklicheres hervorschiene. So bleibt es bei einer fulminant durchgearbeiteten Entsagungsliteratur, auf dem Grunde einer beklemmenden Kälte, die Eros mit Sex verwechselt und Menschen in ihrer Monadenhaftigkeit zeigt. Oder wie Adorno gesagt hat: Wir wollen alle geliebt werden, weil wir nicht lieben können.

Sonntag, 24. Mai 2009

Besucht mich mal!

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Montag, 12. Januar 2009

Reisen

Reise allein, reise ohne Gepäck und reise langsam

Mittwoch, 7. Januar 2009

Lesen!

Sonntag, 28. Dezember 2008

Ich werde es schaffen

Bauen Sie jetzt etwas auf. Beginnen Sie eine neue Beziehung oder stärken Sie die Bestehende. Starten Sie mit neuen Projekten genau jetzt. Nun haben Sie die Kraft und den Willen. Lassen Sie sich mitreißen, aber verfallen Sie nicht in Größenwahn, nur weil Sie glauben, nichts könne schieflaufen. Im Moment können Sie viel erreichen - und die Phase dauert 8 Monate an. Daher nutzen Sie jetzt die Gunst der Stunde. Setzen sie etwas Neues in Bewegung. Jedoch seien Sie sich immer bewußt, daß dieser rasante Aufstieg irgendwann zum Stillstand kommen wird.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Vermächtnis zur Weisheit?!

Wir sind eine Generation, wir heutigen in der Lebensmitte, in der Blüte unserer Zeit…, die tatsächlich aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann. Ich kann nur für „uns“ (?) hier in Deutschland sprechen. Oder im so genannten „Westen“. (Im Grunde kann ich nur für mich sprechen, aber dann kann ich nicht von Generation sprechen.) Vielleicht ist es aber auch auf der ganzen Welt so, oder hier und dort, das ist am wahrscheinlichsten: hier und dort, nie überall…

Kurz und gut: Der Gedanke kam mir auf privatem Weg. Über die so genannten zwischenmenschlichen Beziehungen. Unsere Eltern … und die anderen Eltern … all die Eltern… hatten wenig genug Gelegenheit zu psychologischer, gar neurobiologischer oder einfach nur: souveräner, also mutiger und selbstgewisser Erkenntnis ihrer Situation, der Strukturen, in denen sie leben, die sie aber auch abbilden. Sie hatten die Gelegenheit nicht, weil da keine Kultur war, in der es solche Gelegenheiten gegeben hätte.
Ich kann von heute auf dieses Gewesene des gelebten Lebens schauen und so manches darin sehen. Erkennen zum Beispiel wie verschiedene Kulturen und Erwartungen aufeinander getroffen sind, sich nicht vertragen haben, nicht einfach so – und wie so vieles so unbewusst blieb. Und dass ich das heute kann nach rückwärts, das ist nicht nur: Hinterher weiß man alles besser. Das zwar auch, das „Dunkel des gelebte Augenblicks“ wie Bloch es nannte, treffender geht es schwer – aber eben auch etwas anderes. Im Grunde die ungeheure historische Möglichkeit, die Gnade sein kann, soviel mehr erkennen zu dürfen als frühere, auch unmittelbar frühere erkannten. Und das nicht nur bei den Computerspielen, wo es vielleicht im humanen Sinne gar nicht so zielführend ist, mehr zu kennen.

Vielleicht ist ja auch die Generation der Eltern bis Grosseltern (je nachdem) eine gewesen, die ganz besonders im dunklen Augenblick agierte, mag sein für uns deutsche Kinder der Nach- oder Nochfaschisten… (Nur darauf, dass wir weder Nach- noch Nochfaschisten sind, darauf können wir uns nichts einbilden, das ist verglichen mit dem was nicht allzu lange her ist wirklich Privileg, Gnade, Freispruch.)

Es ist eine so ungeheure Ressource. Wir sind herausgesprungen, heraus geboren worden (durch unsere Fast-Geschwister die 68 er…), wir sind woanders – und der Möglichkeit nach viel schlauer. An dem, was nicht möglich war, können wir lernen, was möglich ist. Was nötig ist und vielleicht leicht. Machen wir uns einfach manches leicht, um klug zu werden.

Montag, 1. Dezember 2008

Das Kirchen-Experiment;-)

[Gestern]
Kommt das Glück heute langsam und auf seltsamen Füßchen?

Der Tag war überraschend gut! Unter der Dusche fiel mir carpe diem ein, ein Ausdruck an den ich länger schon nicht mehr gedacht habe. Wie das Wasser plätscherte, so flossen in meinem Hirn Erinnerungen an diesen Ausdruck als sehnsüchtig Gewünschtes, vor allem von Männern: Christian sehnte sich so sehr danach, natürlich in seiner Arbeitsfragezeichenphase, in der ich ja nun auch bin. In der man, umso mehr freie Zeit man hat, sie meist umso schlechter genießen kann. Da die Sorgen drücken, der Genuss verboten scheint. Unter der Dusche schien mir, als sei „carpe diem“ keine schlechte Idee, eine erlaubte dazu, wo wir uns ja (also jedenfalls C. damals) es eher übel nehmen, das nicht zu können.
Durch diese Überlegung allein kann man es natürlich noch nicht. (Oder etwa doch?)

Ich glaube heute war ich am vierten Tag hintereinander im Dom, wieder in meiner Bank im Seitenflügel. Dort erlebte ich heute das erste Mal wirklich eine ganz angenehme Ruhe, die von der Vertrautheit herrührt oder vielleicht auch davon, dass eine sonntägliche Stimmung herrschte. Der Dom war natürlich voller – und anders als ich das vermutet hätte, löste das keine Störung bei mir aus, sondern eher Geborgenheit. Einzelne Personen sieht man da ebenso wie kleine Gruppen, alle angenehm leise, aber nichts Verspanntes. Erstaunlich, wie viele Leute Kerzen anzünden. Von meiner Seitenbank aus schaue ich auf ein bestimmtes Rosettenfenster gegenüber, heute war ich genau zur „blauen Stunde“ da, ein tiefes dunkles Blau, ein sehr schöne Farbe, das langsam immer dunkler wurde. (Wobei in meiner Tasche sich auch noch ein gleichnamiges Buch befand: Die blaue Stunde von Alonso Cueto aus Peru.) Als ich den Dom verließ, fühlte ich mich wunderbar entspannt und gut gelaunt.
rosette-schoeoeoeoen-little

Eben habe ich gesehen, dass ich bei einem kleinen Gewinnspiel gewonnen habe, und das hat mich, auch wenn es so unwichtig ist, noch mehr in gute Stimmung versetzt. Als hätte ich heute einfach Glück. Und als hinge das Glück an solch kleinen Sachen (tut es!). Unser Hirn, sagen die Neurobiologen, ist immer auf Belohnung aus. Das las ich bei meinem Spaziergang durch die Stadt irgendwo, was kein Wunder ist, da ich ja immer und überall eine Zeitschrift oder ein Buch in die Hand nehme. Und eben fällt es mir auch wieder ein, es war das Heft „Glück“ der Zeitschrift brand eins. Vielleicht werde ich Stück für Stück und Tag für Tag wieder etwas kreativer…

Kissen, Kino, KIRCHE

Statt Kinder, Küche, Kirche eher Kissen, Kino, Kirche – so sieht meine derzeitige Lebensphase aus. 3 Ks, die Trägheit bedeuten, aber auch Kontemplation und Kreativität. Und noch ein K-Wort: Kuschelig.
kissensmall
Vielleicht auch Kerzen, Kekse, … Willkommen in der Vorweihnachtszeit, könnte man sagen. Und: Dass meine Vorlieben herrlich antik sind, die Kirche ist nun für´s Erste also auch dabei;-)
ffm-der-dom2little
***
Während ich Alonso Cuetos Buch „Die blaue Stunde“ lese, habe ich fortwährend sehr heimelige Gefühle, Geborgenheit stellt sich ein. Gestern las ich und schlief dann und träumte irgendwie von diesem Buch – und es stellte sich, beim Einschlafen nach der Lektüre wie beim Träumen Geborgenheit ein. Das ist seltsam, denn das Buch bietet nichts wirklich Erkennbares, das solche Gefühle auslösen könnte. Vom Inhalt her ohnehin nicht, stilistisch wäre es mir aber auch nicht klar.
Es ist wohl Zufall, das mit dem Buch. Etwas ähnliches passierte mir, als ich im Urlaub in Galicien „Zwei Esel auf dem Jakobsweg las“. Nacht für Nach träumte ich davon, war sozusagen mit den beiden unterwegs. Es gibt wohl in der Tat eine erhöhte Aufmerksamkeit, Inspiriertheit durch den Aufenthalt in Kirchen. Ich habe die Kathedrale in Santiago de Compostela noch gut vor Augen und auch im Herzen.
Das „Experiment“ Kontemplation in der Kirche geht weiter.

Sonntag, 23. November 2008

Martin, you made my day

(Ich habe auch einen Bruder, der Martin heißt, aber der ist nicht gemeint.)
Am heutigen Sonntagmorgen kam ich zur Matinee in einem Frankfurter Kino (Orfeos´s Erben). Bewusst kam ich dahin, denn es sollte Heimatkunde gezeigt werden.
Zuhause hing der Zuhaussegen schief und draußen die Wolken fast bis auf den Bürgersteig. Deswegen - Flucht und Kalkulation der Wetterverhältnisse - war ich ziemlich pümktlich im Kino. Als ich so pünktlich im Kino eintraf, war ich die Erste, und befürchtete fast, die Einzige zu bleiben. Ich hatte Zeit, im Foyer die FAZ zu lesen und mir interessante Artikel raus zu reißen (dazu vielleicht (!) andermal mehr).
Als der Film begann waren wir ungefähr zu neunt.
Ich mochte den Film sehr. Ich habe nun mal 2einhalb Jahre im Osten gelebt - so konnte mich das erreichen, was doch nur tieftraurig ist.
Und Herrn Sonneborn fand ich richtig gut.
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