Dienstag, 11. November 2008

Du Unbekannte

Mhm

Mhm

Ich habe mir gerade das letzte Bier dieses Haushaltes geholt – und habe es bewusst, also positiv willentlich getan. Die Steigerung des Alkoholspiegels als Feier, nicht als trübe Ambivalenz, sondern mit Absicht. Weil ich anscheinend feiern will.

Das Besondere an diesem Tag war, wie erstklassig unbesonders er war. Der Blick in den Terminkalender hat mich a) überrascht, b) zunächst erleichtert und c) nach dem heutigen Montag schon: erschreckt. Keine Termine, die ganze Woche. Natürlich gibt es die To-Do-Liste, die ich irgendwie in meinen PC hineingezwungen habe, dass sie sich jeden Morgen penetrant herausdämonisiert. Natürlich weiß ich, dass diese To-Do-Liste beharrlich ist und versöhnlich auch – und dass allein wegen des leeren Terminkalenders diese Woche ich ihr nicht mehr und nicht weniger Beachtung schenken werde, als ich ihr aus Zufällen heraus schenken werde.

Ich habe mehr oder weniger eine Woche zur freien Verfügung. Da ich mich als Selbständige deklariere und mit dem Mitbewohner in einer ständigen Darbietung des Tätigseins verbunden bin, wobei er tätiger ist als ich, das steht außer Frage, aber noch weniger Geld damit verdient als ich, ich andererseits dieser Tage auch nicht gerade behaupten kann, dass mit schierem Untätigsein allzu viel Geld zu verdienen ist, ist die klare Deklaration der Terminlosigkeit… ja was… völlige Nichtsnutzigkeit… oder Freiheit.

Diese Freiheit kenne ich nicht, ich weiß ja nicht geübt mit ihr umzugehen. Vielleicht ergreift sie mich doch, deswegen das Fest. Was ist dagegen zu sagen?

Beim Stricken vorhin habe ich begonnen, Lady Like von Ingrid Noll als Hörbuch zu hören. Da wird die Größe der Albernheit gefeiert, zwei alte ladies freuen sich jedes Mal darüber, wenn sie lachen können. Albernheit…

Langeweile… Langeweile und Albernheit: Zwei Schwestern? Heißt es eigentlich Muße, wenn man es kann, ist nicht das Kippen der modern-protestantischen Langeweile in die griechisch-heidnische Muße schon ein erstaunlicher Moment? Wenn man mitten im Leben sagen kann: Ich bin wirklich mal bar aller Pflichten, jedenfalls eine Woche lang. Muss man dann trübsinnig und von Ödnis angefressen werden … oder ist es eben ein kleines, feines Fest?

Wenn man sich im Urlaub langweilt, sagte mein Vater einmal, dann hat man sich erholt. Er sagte das nach meinem Korfu-Urlaub, der damals unserer war, aber eben ein vergangenes „unser“, und schon damals war es ja meine Langeweile und erst recht mein Gespräch mit meinem Vater. Wir hingen in einer Siedlung rum, es regnete dauernd in irgend einem Korfu-Herbst, die halbe Zeit habe ich Backgammon in einer Kneipe gespielt und eine weißhaarige Frau strich mir mit Worten einer unverstandenen Sprache sehr liebevoll übers Haar, was ich am eindrucksvollsten an diesem Urlaub fand. Gegen Ende der zähfließenden Tage sah man im kleinen Fernseher der Kneipe Panzer rollen in irgendeiner Stadt und aufgeregt deuteten die Alten in der Kneipe: Germany, Germany. Wir verstanden nur mit Mühe, es waren die Panzer in Ost-Berlin, die das Ende der DDR zusammenpanzerten, aber auch das, eigentlich ein Unding, mochte uns kaum aus der Korfu-Lethargie reißen.

Als wir zurück waren brüskierte ich den Damaligen damit, dass ich nur noch die Koffer hinknallte und zur studentischen Gruppe raste, und dies gewiss nicht hauptsächlich um die rollenden Panzer zu debattieren; ich hatte auf einmal eine unbändige Lust auf ALLES Zuhause. Soviel zum Thema Langeweile.


Wenn sie einen doch immer in den Zustand versetzte, morgens, plötzlich, behend aus dem Bett zu springen. Anstatt mit ihr trübe auf gleich zu gleich zu kommunizieren und Computerspiele zu "spielen".

Montag, 27. Oktober 2008

Ich hab mir eine Formel erfunden

Die FLI-Formel ist mittlerweile eine FLEI-Formel. Klingt auch besser, sowohl nach Fly als auch nach Frei. (Leider sieht es geschrieben auch etwas aus wie der Anfang von Fleisch.)
Das „E“ steht für Erfolg, was dieser Tage für mich ja besonders wichtig ist, einfach auch, um mich ernähren zu können, wie man das nennt.
Also heißt es jetzt:

F – Farbenfroh (oder auch: Freude)
L – Liebevoll
E – Erfolgreich
I – Inspirativ, Intellektuell

Und die „Aufgabe“ besteht darin, jeden Tag von allem was zu finden, in dem, was der Tag so gibt. Um die Aufmerksamkeit zu schärfen für die Fülle der Möglichkeiten sowie für die Freude am Dasein. Da- sein, ich bin da.

Was „fehlt“, lässt sich immer produzieren. Bewusst liebevoll zu sein zu anderen, einmal am Tag zum Beispiel.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Schneemann

Es ist sicher etwas paradox, zu sagen, ein Kriminalroman habe eine ausgesprochen lebendige Atmosphäre. Obwohl: Schließlich geht es ja gerade hier allen: den Opfern, den Tätern, den Verrückten und den Kranken eigentlich um das Leben Wollen – und die verzweifelte Gratwanderung, die damit zusammen hängt. Und diese Gradwanderungen wirken dank Jo Nesbos Fabulierkunst und Ideenreichtum ausgesprochen vital und temporeich. Unterschiedlichste Charaktere und verschiedene gesellschaftliche Milieus gehen immer neue Konstellationen ein. Und so ist die Aufklärung eines Kriminalfalls keineswegs eine geradlinige Ermittlung nach Indizien, sondern verschiedene zwischenmenschliche Verbindungen und Abgründe locken hier hin und dort hin, bevor in einem gut gemachten showdown dann der wahre Täter sichtbar wird. Die detailreiche und ausschweifende Handlung ist allerdings auch leider etwas sprunghaft. Und wer nicht gerade einen langen, ruhigen Sonntag auf der Couch zur Verfügung hat, um das Buch dort voll konzentriert in einem Rutsch zu lesen, kann leicht ins Schlingern kommen. Soviele Details werden viele Seiten später aufgegriffen, aber zuvor lange beiseite gelassen – und dann kann einen schon Mal das Gedächtnis im Stich lassen. (Andere wiederum scheinen so bedeutsam und sind es dann doch nicht, wie die Bezugnahme auf die US-Präsidentschaftswahl, wo man anfangs gar meint, es sei kein Zufall, dass der Titel jetzt in Deutschland rauskommt, wo wieder eine Wahl in den Vereinigten Staaten ansteht.) Jo Nesbo ist aber auf jeden Fall der Vertreter eines neuen, jungen und spritzigen skandinavischen Kriminalromans.

Samstag, 11. Oktober 2008

Willy

Freiheit, das is ka Angst vor nix und niemand ham...

Montag, 1. September 2008

Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht

Als ich das Buch zuklappte dachte ich genießerisch: Ein wirklich süßes Buch. Und ich hoffe, das Wort „süß“ klingt nicht ehrenrührig für die kleine, aber großartige Spielerei, die Jakob Hein hier geschaffen hat. Als Märchen-im Märchen-im-Märchen werden die sinnsuchenden Sehnsüchte der Menschen aufgeklappt. Märchen sind das für staunende Erwachsene, in denen die Welt auseinander- und zusammengepuzzelt wird. Der Mensch kann nicht anders – und findet doch das Glück: In der perfekten Tasse Milchkaffee, dem perfekt zubereiteten Tee oder … der Frau, die wiederkommt, um mitzugehen. Da die Abschaffung des Mangels: durch Milchkaffe und glückvolle Liebe nicht immer gegeben ist, ist der Mensch der perfekte, unermüdliche Sucher. Und wie weit er es bringen kann: Im Finden und Wissen! Von der Ökonomie der kleinen Geschäftsideen bis zur platonischen Kugel reicht die blitzgescheite, kurzweilige Erörterung, die Jakob Hein seinen Figuren in den Sinn kommen lässt. Dabei entdeckt er den Menschen als den, der nicht mehr er selbst wäre, hätte er nichts mehr zu ergründen und zu ersehnen.
Jakob Hein ist eine Entdeckung für mich, ich werde sein Schaffen im Auge behalten.

Dienstag, 26. August 2008

Das Wochenende

von Schlink: da bin ich ja beruhigt, dass ich es nicht als Einzige so leblos finde.
Liegt es am Thema?
Und warum schreibt man über ein Thema, das einem nur so hölzern zugänglich ist?

Montag, 25. August 2008

Schrei nach Stille

Dieses Buch ist vor allem eins: wirklich perfekte, fesselnde Unterhaltung.

Anne Chaplet liebt es, zu erzählen, zu fabulieren und vermag es, Situationen lebendig erstehen zu lassen. Nie tritt das Buch auf der Stelle, es schwenkt von Personenkonstellation und Ort zu den nächsten und liest sich so ganz wunderbar in einem Rutsch.
Irgendwann, irgendwo hat sich die Autorin mal geäußert, ihr sei die Einordnung in Genres etwas fremd. Und so liest sich dieser Krimi auch streckenweise so, dass man den Krimi fast vergisst: Wie eine Art Gesellschaftskomödie zwischen Stadt und Land, es geht den Menschen wie de Leut – und wie gesagt, dies alles sehr leichtfüßig erzählt, bisweilen amüsant.

„1968“, the summer of love, verleiht dem Buch ein heute schon exotisches Kolorit, kaum mehr, in die Tiefe geht das nicht. Aktueller ist das Augenmerk auf verschwundene Kinder, auf potentiell diabolische Stiefväter.

Die Krimihandlung hingegen hat ein zeitlich zu den 60ern passendes Erik-Ode-mäßiges Ende, ein, nein zwei, allzuschöne Mädchen, Unschuld und Tragik. „Mord? … Ich dachte es war ein Unfall?“ - mein Lieblingszitat aus alten Krimitagen. Und damit hat dieses Buch zumindest in diesem Punkt viel gemein mit Jan Seghers’ „Ein allzu schönes Mädchen“. Sind so die Krimis aus Frankfurt, so erfrischend antiqiuert? Da ich Bewohnerin der kleinen, lebendigen Metropole am Main bin, hat das Buch, das mich bisweilen sehr bekannte Straßen lang führte, sicherlich noch einen kleinen Bonus bekommen – hätte es aber bei Ausbleiben sonstiger Qualitäten nicht, dann hätte ich mich eher geärgert.

Kleine lustige Beobachtung: Anne Chaplet ist rothaarig (vermutlich gefärbt) und hat Katzen. In diesem Buch gibt es viele, viele Katzen und wirklich unmäßig viele rothaarige Frauen (gefärbt), auch unter den Statistinnen, ich denke die Zahl rothaariger Frauen in diesem Buch liegt sehr erheblich über ihrem realen Anteil an der Bevölkerung;-))

Sonntag, 24. August 2008

Schweinehund

Murakamis Buch über das Laufen ist die persönliche Geschichte obsessiver Disziplin, einem Paradox also.
Ich las ein Buch über das Sich-Überwinden als Lebenshaltung und komme selbst aus der größtmöglichen Blockade bei dringend zu erledigenden Arbeiten nicht hinaus.
Unlust, Unlust, Unlust - und das ist wohl ein Kreuz, das immer mal wieder den Menschen festnagelt. Eine Situation, die wir alle kennen. Das hätte ich Anna, meiner Mauerseglerin, die flügge werden will, noch zurufen können - vor der Beratungspause. Anna, das ist normal, das kommt immer wieder, es nervt, aber es gehört einfach dazu.
Murakami fragte, so gibt er Auskunft, mal einen Lauf-profi auf Olympianiveau, ob er sich denn auch immer wieder neu überwinden müsste und wurde von diesem ungläubig angestarrt, ob der blöden Frage: Ja natürlich, was sonst!
Mein Schweinehund und ich haben uns heute einen Tag jenseits des Wohlbefindens angehext. Kopfschmerzen und Magenprobleme erstzen mittlerweile das banale schlechte Gewissen.
Wenn man schon zu blöd ist zum Arbeiten, sollte man es sich wenigstens gut gehen lassen. Aber so läuft (!) das nicht.
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